Donnerstag, 19.03.2009
Auf der Suche nach Österreich
Blog und Serie in "Die Presse am Sonntag"
http://diepresse.com/blog/riefreist/
Samstag, 07.03.2009
Du Ländle, meine teure Heimat
Video für die Performance "Projekt Heimat" von Compagnie Smafu -
Premiere 14.3.2009, Brunnenpassage
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Sonntag, 01.03.2009
Land der Berge
Österreich - Heimatkunde...
Was man alles zu Heimat_Österreich im Internet finden kann...
http://oktogon.at/laender/laender.htm
Mittwoch, 29.10.2008
Prekäre Heimat – Migration: Empirische Studien zur Zweiten Generation










Angela Haubner (2005): ausländische inländerinnen – migrantentöchter in der postmoderne
Konzepte und Modelle zum pädagogischen Umgang mit Migrantenkindern:
- Ausländerpädagogik: Annahme, eines zentralen Identitätsproblems bei ausländischen Kindern und Jugendlichen, das sich aus dem Leben in und/oder zwischen zwei Kulturen ergebe ("Kulturkonflikthypothese"). Dem entspricht das Konzept einer kompensatorischen Erziehung mit dem Ziel des Ausgleichs von zuvor festgestellten Defiziten. Basis ist eine Hierarchie von Kulturen und ein statischer Kulturbegriff. "Integrations- und Assimilationskonzept"
- Interkulturelle Pädagogik: ab Mitte der 80ger Jahre, Perspektivwechsel: Differenz statt Defizit, Politik statt Pädagogik. Auf Basis eines dynamischen Kulturbegriffes werden die unterschiedlichen Kulturen als gleichwertig betrachtet, eine dialogische Perspektive betont.
Hier: Migrantenkinder, -jugendliche: meist Tendenz, sie als "Problemfälle" wahrzunehmen, dagegen: Ausgehen von der "Normalitätsannahme", nämlich, dass sich Jugendliche ausländischer Herkunft genauso wie deutsche Peers orientieren (sie zuerst als Jugendliche und nicht als Ausländer sehen), eher den Geschlechtsunterschied beachten.
Inhaltliche Schwerpunkte der Studien zu jugendlichen Migrantinnen allgemein:
- allgemeine Analyse der Lebensbedingungen und –situation
- Untersuchung der Lebenssituation mit Schwerpunkt
Sozialisation und Identitätsbildung
- Untersuchung der Bildungs- und Ausbildungssituation
Hier: ausgehen von "allgemeinem Jugendverhalten" – Normalitätsannahme
Individualisierung als postmodernes Prinzip – Fehlen von vorgegebenen Identitäten, vgl. generell großes Angebot der Möglichkeiten zur Selbstinszenierung
Frage nach Einschätzung der eigenen Lebenssituation → drei Gruppen:
- die Resilienten: erfahren Doppelperspektivität ihrer
Lebenssituation als Ressource, bewerten dies auch positiv,
sehen Chancen, fühlen sich als beides, auf beides stolz;
- die Ambivalenten: betonen positive und negative Anteile
ihrer Lebenssituation, fühlen sich eher hin- und hergerissen,
erleben es jedoch als positiv, auswählen zu können; meist
ausgeprägter Rückkehrwunsch der Eltern;
- die Verunsicherten: beurteilen ihre Lebenssituation als
negativ und nachteilig, fühlen sich nicht wohl, haben z.T.
Diskriminierungserfahrungen oder biographische Brüche
erlebt, oft Schwierigkeiten mit Spracherwerb und in der
Schule, eher wenig Unterstützung von den Eltern.
Feststellnar sei eine eindeutige Prägung durch Sozialisationserfahrungen der primären Bezugspersonen; Einstellung auch abhängig vom Herkunftsland;
– verschiedene Blickrichtungen auf "Heimat", abhängig von Biographie und aktuellen Erfahrungen
Evelyne Viehböck/Ljubomir Bratic (1994): Die Zweite Generation. Migrantenjugendliche im deutschsprachigen Raum
Themen: Konflikt Erste vs. Zweite Generation, z.B. durch Gegensatz von agrarischem Kontext und patriarchaler/autoritärer Erziehung im Heimatland und urbanem Umfeld sowie modern/demokratischer Erziehung. Die Kinder stünden folglich zwischen den oft – gerade im Aufnahmeland – konservativen Eltern (Schutz, Erhalt der eigenen Kultur, Sitten) und der neuen, liberaleren Gesellschaft, in der sie aufwachsen. So könne eine Kluft zwischen der Verhaftung der Ersten Generation in ihrem alten Weltbild und dem Weltbild des Aufnahmelandes entstehen.
Auch die Probleme des Erwachsenwerdens könnten sich von jenen der Elterngeneration unterscheiden – Fehlen von tradierten Verhaltensmustern in der Familie.
Verschärfung des Problems bei Mädchen: Neben Ehrverlust auch Angst der Eltern, dass ihre Tochter zu Österreicherin werden könnte – Angst, alles zu verlieren, was ihre Kultur und ihre Werte sind.
Mögliche Reaktionen auf Diskriminierungs- bzw. Stigmatisierungserfahrungen von Jugendlichen der Zweiten Generation seien:
- Überanpassung
- Integrationsverweigerung (rigides Leben nach traditionellen
Normen, die meist nur aus den Medien bekannt)
- Kapital-Schlagen aus der Situation, Betonung des Vorteils,
selbstbewusst
– "zwischen den Heimaten stehen" - aber als "anders-sein" nicht als defizitär zu sehen. "Haltung der Selbstbehauptung".
Anne Juhasz/Eva Mey (2003): Die Zweite Generation: Etablierte oder Außenseiter?
In der Forschung zur Zweiten Generation dominieren meistens zwei Bilder:
- Jugendliche ausländischer Herkunft als Problem
(fundamentalistisch, kriminell, gewalttätig, mit
Integrationsdefiziten)
- Portraits von Jugendlichen, die "es geschafft haben", z.B.
Sportler, Künstler, als Vorzeigeobjekte.
Hier: Im Vordergrund steht die eigene Perspektive der Jugendlichen – was bedeutet es für sie überhaupt, Angehörige der Zweiten Generation zu sein? Biographisch-narrative Interviews;
Basis: Ungleichheitsforschung. Verschiebung der Perspektive von Kultur auf Struktur, Analyse von sozialer Ungleichheit und sozialer Mobilität: viele Phänomene im Leben Jugendlicher ausländischer Herkunft lassen sich damit erklären, dass ihre Eltern in der Schweiz die untersten sozialen Positionen zugewiesen bekamen (vgl. Pierre Bourdieu: Kapitaltheorie; Sozialer Raum und Klasse; Norbert Elias: Theorie der Etablierten-Außenseiter-Figuration).
Zusammenfassung Ergebnisse:
- Eltern als Neuzuzügler in tiefster Position des sozialen Raums - strukturelle Benachteiligung
- Beschränkte und versperrte Zugänge zu kulturellem,
ökonomischem und sozialem Kapital am deutlichsten in der
Schule – Schlüsselrolle bei der Zuweisung sozialer
Positionen sind Lehrer als Gatekeeper (z.B ob einKinde ins
Gymnasium gehen sollte nach der Volksschule)
- Erleben verweigerter Zugehörigkeit oder
Stigmatisierungserfahrungen
- Rückkehrorientierung der Eltern – "Leben im Provisorium"
- Beziehungen zum Herkunftsland und zur Verwandtschaft der
Eltern für Jugendliche meist nur aus Ferien, auch dort
Ausländer, mit zunehmendem Alter meist mehr
Interesse am Herkunftsland der Eltern.
- soziale Mobilität der zweiten Generation als zentrales
Merkmal, Ausbildung zentral; starke Aufstiegsorientierung –
Aufstieg in höhere Regionen des sozialen Raums – Wechsel
von Bezugsgruppen – "Überläufer": Zugehörigkeitsprobleme;
- Umgang mit geringen Ressourcen und sozialem Ausschluss:
- Reduktion der Ansprüche und Anpassung an die gegebenen
Möglichkeiten
- Betonung des "natürlichen Kapitals" (= zugängliche Werte,
z.B. Weiblichkeit/Männlichkeit Ethnisierung, Clichés)
- Traditionsbildung (als Auseinandersetzung mit der eigenen
Herkunft)
- Suche nach alternativen Wegen (um höhere ges. Position zu
erreichen – z.B. Karriere als Sportler oder Künstler)
- Rückkehrorientierung
- Einbürgerung (als Schutz vor Diskriminierung)
- Schließung gegen unten (z.B. Abgrenzung gegenüber anderen
Personen ausländischer Herkunft – bes. solche Jugendliche,
die sich "auf dem Weg nach oben" befinden)
– Ressourcenabhängigkeit der Konstruktion von Heimat
Dienstag, 14.10.2008
Kronen-Heimat

Heimat in der "Kronen-Zeitung", Sonntag, 12.10.2008
Reise: "Herbstgenuss und Wanderlust – Fit durch den Herbst – in Südkärnten kein Problem. Denn wenn die Badesaison vorbei ist, lockt die Region Klopeiner See mit idyllischen Wanderwegen, faszinierenden Klettergärten und anspruchsvollen Nordic-Walking-Strecken"
Hervorgehoben werden die wunderschöne, scheinbar unberührte Natur (saftiges Moos, Enzian am Wegrand, Heilkräuter...), eine alte Bäuerin, die das Glück hat, ein "Leben in der Natur" führen zu können, und deshalb "von innen strahlt", Kunst, Kulinarik, zünftige, traditionelle Feste. Heimat Landidyll.
Ei: Wissen und Geniessen: "Das Aus für die Käfighaltung. ÖSTERREICH ISST FREI! – In Sachen Tierschutz geht Österreich mit gutem Beispiel voran: Ab 1.1.2009 ist die konventionelle Käfighaltung von Legehennen hierzulande nämlich verboten, während die EU mit der gesetzlichen Grundlage für diese wichtige Maßnahme erst 1012 nachzieht."
Vorbildland Österreich, Gütesiegel, glückliche Hühner, böse Eier aus dem bösen Ausland...
Geschichte: "Die Statthalterin der Niederlande sprach Wienerisch" (die Schwester Kaiser Karls V., Maria von Böhmen und Ungarn)
Heimat bist du großer Söhne... (oder Töchter).
Buch: "Ein Wiener Juwel – der Ring. –Was wäre Wien ohne die Ringstraße, den Ring? Der Glanz von Habsburgs einstiger Größe, der hier noch zu spüren ist, lässt kaum jemanden kalt, der durch diese Welt geht. Und es gibt unendlich viel zu schauen auf einem Spaziergang über unsere imperiale Repräsentationsmeile."
Wenn keine Naturidyll, dann Habsburger, Schlösser, Kaiserkitsch...
Zurück zum Ursprung: "Lebensmittel mit Herz der Heimat. Die HOFER-Produktlinie
Vermarktung von Heimat, Heimat als Konsumprodukt; Österreich, das Bauernland, wo es noch wahre Natur gibt.
Lese-Zeit: "...und es wird wieder ein Wein sein. Wenn späte Sonne reife Trauben letzte Süße einhaucht, das Laub langsam Farbe bekennt, haben unsere Winzer wieder Hochsaison: Die österreichische Weinlese hat begonnen."
Auch hier: Idyllisierung der bäuerlichen Arbeit und der Natur, von Familienzusammenhalt bzw. gemeinsamer Arbeit in ursprünglichem Sinne, von "einfachem, gemütlichem" Leben...
Alle Artikel sind natürlich mit entsprechend kitschig-idyllischen Fotos von heiler Natur und Menschen in Trachten untermauert.
Mittwoch, 08.10.2008
Heimat in Zeiten von Globalisierung, wachsendem Mobilitätsdruck und der Zunahme von "Nicht-Orten"
Globalisierung
Wo kann Heimat im "globalen Dorf" sein? – gerade hier/heute gesteigertes Bedürfnis, sich zu verorten, Bedürfnis nach raumbezogener Identität.
- Vgl. Verbindung von Ort und Zeit: Angewiesenheit auf einen überschaubaren soziokulturell gegliederten Raum, der Verhaltenssicherheit, Aktion und Identifikation gewährt.
Mobilitätsdruck
- Notwendig der aktiven Aneignung von Heimat wird deutlich: dauerhafte soziale Beziehungen und Freundschaften ergeben sich nicht von alleine. Sie müssen bewusst gesucht und gepflegt werden, soziales Leben muss individuell geführt werden.
Hohe Mobilität auf beruflicher Ebene ist heute oft notwendig – manche Menschen sind freiwillig sehr mobil (möglicher Zusammenhang mit mangelnder Integration, Angst vor Bindungen – vgl. Studien) – typischerweise junge, männliche Akademiker.
Im Allgemeinen wird "unfreiwillige" Mobilität jedoch als problematisch und belastend empfunden, betroffene Menschen fürchten besonders den Verlust sozialer Beziehungen (Familie, Freunde, Partnerschaft,...).
Justen-Horsten beschreibt mobiles Leben als eine Unterbrechung des Raum-Zeit-Kontinuums, für die vier Zustände typisch sind:
- 1. häufiger Ortswechsel
- 2. Leben in Episoden
- 3. Unterbrechung sozialer Bindungen
- 4. Belastung von Partnerschaft und Familie
Ad 1) Es kann sich die Frage stellen, ob man sich überhaupt integrieren muss, wenn man womöglich bald wieder aufbricht (zurück oder zum nächsten Ort)
Vgl. Trauern – verschiedene Phasen, ähnlich bei Verlust der Heimat: wenn jedoch in ständiger Mobilität, immer unsicher (bleiben, zurück oder weiter) - Schwebezustand, Übergangslösung!
Ad 2) Je Episode werden immer neue Identitätsentwürfe konstruiert, die möglicherweise mehr oder weniger beziehungslos nebeneinander stehen bleiben.
Ad 3) Es kann zu Einsamkeit und Fremdgefühl kommen, wenn wichtige soziale Beziehungen fehlen (vgl. oft auch Sprachproblem für neue Kontakte).
Phänomen von Lebensabschnittspartnern - viele Trennungserfahrungen
Ad 4) Wohnortwechsel gelten in der Psychologie als problematisch = "kritisches Ereignis".
Besonders für Frauen, die ihren eigenen Job aufgeben, um mit dem Partner mitzukommen kann ein Ortswechsel zu einer Krise führen; zusätzliche (innerfamiliäre) Belastung entsteht durch Fehlen von Außenkontakten.
"Mobile" werden auf amerikanisch "Expatriates" genannt!
Vermutlich ist es möglich, sich neu zu "beheimaten", immer wieder an neuen Orte eine neue Heimat zu finden, scheint kaum möglich.
Nicht-Orte
Daum konstatiert als weitere Problematik die Zerstörung von Heimat als subjektiver Sinnprovinz. Er bezieht sich auf die von Marc Augé so benannten "Nicht-Orte". Diese seien weder identitäts- noch beziehungsstiftend, weisen – anders als Heimat – keinen Bezug zur Geschichte auf und schaffen nur Einsamkeit und Ähnlichkeit. Als Nicht-Orte werden insbesondere mono-funktional genutzte Flächen im urbanen und suburbanen Raum wie Einkaufszentren, Autobahnen, Bahnhöfe, Flughäfen, Shopping Malls, Hotels, Freizeitparks bezeichnet, deren gemeinsames Kennzeichen das Fehlen von Geschichte, Relation und Identität sowie eine kommunikative Verwahrlosung sind. (vgl. Wikipedia)
Auflösung der heimatlichen Orte – Tendenzen der Entwurzelung – Flüchtigkeit der Gegenwart – These von einer Allerweltskultur, in der die Menschen den ihnen eigenen Ort verlieren, alles nur noch Durchgangsstation ist.
In diesem Zusammenhang beschreibt Daum Maßnahmen wie Ortspflege als Heimat-Surrogat. Vergleiche: originäre Kultur und Struktur sind längst ausgestorben (z.B. betreffed Pflanzen, "Niemandsländer"/Gstättt´n, Kreisler/Nahversorger...) und werden stattdessen neu inszeniert. Weniger als darin nur Kitsch zu sehen, sollte das Bedürfnis dahinter, Heimat aktiv und anschaulich für sich zu inszenieren und demonstrativ damit auch für andere sichtbar nach außen zu treten, beachtet werden. Darin kann (als individuelle Bedeutung) Autonomie und Handlungsfreiheit erlebt werden.
Der Raum wird mit Bedeutung aufgeladen – Heimat als inszenierte Kulturlandschaft, in Szene gesetzte Landschaft, Raum-Inszenierungen als Verräumlichung sozialer Prozesse (für Sinn- und Erholungssuchende...).
Der Inszenierung von Heimat dienen auch Heimatromane, -filme: sie machen den Ort, die Landschaft, das Vaterland zu einem Illusions- und Sehnsuchtsraum wechselseitiger Wertbereicherung. Heimat wird zur Sehnsuchtsmetapher, zur Suche nach verlorenen bzw. nie tatsächlich aufgesuchten, bloß imaginierten Räumen.
(vgl. auch Ernst Bloch)
Quellen:
Justen-Horsten http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2004/369/pdf/report_psychologie_05-2004_2.pdf
Daum http://www.lwl.org/westfaelischer-heimatbund/pdf/Heimatpfl%20in%20Westf_Internet.pdf
Dienstag, 07.10.2008
Heimat Österreich - Österreich Klischée
Österreich Werbung – Die Erklärung in Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich_Werbung
Gebirge – Almen – Kühe – Bergbauern – Alpenglühen – Volksmusik – idyllische Landschaften – Bauernhöfe –
Wiener Walzer – Strauß – Lipizzaner – Heuriger – Raunzen – Mariandl – Hans Moser – Sissi – Habsburger – Der Dritte Mann – Schönbrunn – Riesenrad –
Mozart – Schlösser – Kirche – Barock – Salzburg – Mozartkugel – Sound of Music –
Wienerschnitzel – Mannerschnitten – Fiaker – Stephansdom – Skifahren – Hüttengaudi – Sachertorte –
Österreich Werbung: http:// www.austria.info/xxl/_site/at/_area/383532/home.html
Österreich Lexikon aeiou: http://aeiou.iicm.tugraz.at/
Montag, 06.10.2008
Spintisiererei
UTOPIE HEIMAT
Das NOCH NICHT und das NIE GANZ
mehr oder weniger, als ob
HEIMAT als Summe aller Erinnerungen – BIN ICH SELBST
Je mehr Abbildungen meiner Erinnerung, je mehr Spiegelungen, desto sichtbarer ist Heimat.
Heimat und Identität
„bei sich selbst beheimatet sein“ – wenn man das nicht ist, kann man dann eine Heimat finden?
NICHT-ORTE = Surrogat für Heimat
Haben aber heute auch schon eine Geschichte, wecken zumindest Erinnerungen.
Heimat, Identität, Erinnerung – sind immer im Fluss (Sprache, Orte) – für die, die damit aufwachsen sind sie Heimat, für die Generation davor vielleicht Veränderung, Verlust. Erinnerung verschiebt sich mit jeder Generation...
Heimat als schwarzes Loch – Zeit-Raum-Krümmung
Heimat-Machen - Eine Studie von Beate Mitzscherlich
Mitzscherlich befragte 120 Jugendlichen aus ost- und westdeutschen, aus ländlichen und städtischen Regionen.
Folgende Forschungsfragen leiteten die Untersuchung :
- Was ist Heimat eigentlich und inwiefern hat sich die Erfahrung von Heimat in der Moderne verändert?
- Warum suchen/brauchen Menschen Heimat – welche Bedürfnisse werden unter diesem Bild integriert? Wie können Menschen unter gegenwärtigen Bedingungen Heimat "machen"? Welche Bedingungen brauchen Menschen, um sich beheimaten zu können?
- Ist das Leben auf dem Land "heimatlicher" als in der Stadt (...)?
- Welchen Stellenwert hat Kultur für die Erfahrung von Heimat?
Als die wesentlichen Heimat-Erfahrungen der Menschen in der globalisierten Welt beschreibt sie:
- Mobilität: Heimat als Ort, der immer wieder verlassen werden muss (aus beruflichen Gründen) bzw. verlassen wird (z.B. aus touristischen, kulturellen Gründen). → größerer Aufwand, Zusammentreffen von (bestimmten) Menschen zu organisieren; Orte von Arbeit und sonstigem Leben lieben weit auseinander; Beziehungen werden flüchtiger, z.T. unverbindlicher, wenn immer mehr Menschen "nomadisieren" – Einfluss auf Familienstrukturen, Freundschaften, Partnerschaften.
- Flexibilität: "Der flexible Mensch" (R. Sennett) hat keinen substantiellen Kern mehr, er wechselt zwischen Anteilen und Facetten der eigenen Person hin und her, deren Verknüpfung wird zur alltäglichen Identitätsarbeit.
- Netzwerkgesellschaft: der Einfluss technischer Medien auf Beziehungen wächst – Kommunikation über E-mail, Handy, seltener face to face; Wissen wird durch vielfältigeren Zugang demokratisiert, wird aber auch flüchtiger, zufälliger, schwerer zu beurteilen.
- Nicht-Orte: Anonyme, d.h. Nicht-Identitätsstiftende) Orte wie öffentliche Verkehrsmittel, Rasstätten, Shopping-Malls werden zu Begegnungsräumen, traditionelle Orte (z.B. Kirche, Markt, Gasthaus) verlieren an Bedeutung.
- Fremdheit: nicht nur Medien berichten über globalisierte Welt, Kontakt auch über eingewanderte Menschen, deren Traditionen und Lebensweisen uns fremd sind – kann zu kulturellem Austausch und Bereicherung führen, oft aber auch zu Angst und kulturellen Konflikten (besonders unter Bedingungen bedrohten Wohlstandes).
Aus diesen Entwicklungen ergebe sich die Grunderfahrung der Moderne, nämlich die Erfahrung des "Dis-Embedding" (Anthony Giddens), des Ungeborgenwerdens, der Nicht-Zugehörigkeit, des Nicht-Eingebundenseins – in Bezug auf: Herauslösung aus der Natur, aus der Erfahrung von Gemeinschaft und stabilisierenden Metaerzählungen.
Problematisch daran sei besonders, dass der Mensch grundsätzlich "territorial" sei, d.h. in ihrer physischen und psychischen Organisation auf erreich- und überschaubare (Nah-)Räume orientiert, und existentiell angewiesen auf das Gefühl von Vertrautheit, Zugehörigkeit, sozialer Einbindung und Geborgenheit (beides Elemente von Heimat).
Die Ergebnisse der Studie legten folgende Heimatkonzepte von Menschen nahe:
* Heimat als Gefühlszustand von Geborgenheit, Vertrautheit, Übereinstimmung
* Heimat als soziale Integration in der Gegenwart
* Heimat als Herkunftsort und biographisch-familiäre Einbindung
* Heimat als Utopie und Idealzustand
* Heimat als politische Konstruktion
* Heimat als Folklore
* Heimat als Verlusterfahrung
* Heimat als Gegenteil von Fremde
* Heimat als Vielfalt/multiple Heimat
Dahinter stehen nach Mitzscherlich drei Grundbedürfnisse, die im Begriff von Heimat zusammenkommen:
1. Das Bedürfnis nach sozialer Einbindung, Zugehörigkeit, Anerkennung
2. Das Bedürfnis nach Gestaltung, Beeinflussung und Handlungsfähigkeit (z.B. Wunsch, "Spuren zu hinterlassen", Möglichkeitsräume zu erkennen, zu nutzen, zu erweitern)
3. Das Bedürfnis nach Sinnstiftung, Vertrautheit, einbettenden Erzählungen
Notwendig für eine erfolgreiche Heimat-Findung sei ein aktiver Prozess der Beheimatung . Dies bedeutet v.a. einen sozialen Prozess des Sich-Einbindens in Gemeinschaften bzw. sich Verbindens mit signifikanten Anderen, ebenso den praktischen Prozess des Sich-Beteiligens an Aktionen, Herstellen von Produkten (z.B. künstlerisch), und den psychologisch-reflexiven, möglicherweise auch spirituellen Prozess der inneren Integration, Weltdeutung und Sinnstiftung.
Quelle: Mitzscherlich, Beate (2000): Heimat ist etwas was ich mache. Eine psychologische Untersuchung zum individuellen Prozess von Beheimatung.
Zitiert nach: http://www.fluesse-verbinden.net/download/mitzscherlich_heimat.pdf